07425-95 992 21 landesverband-bw@dhv-ev.de
Akkordeonorchester 4

„Jahr der Musik“ 2021/22? Offener Brief des Landesmusikrats

In einem offenen Brief an Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer schlagen der Landesmusikrat Baden-Württemberg, der Landesmusikverband Baden-Württemberg, der Landesverband der Musikschulen Baden-Württembergs und der baden-württembergische Landesverband des Bundesverbands Musikunterricht (BMU) vor, das kommende Schuljahr bzw. die kommende Spielzeit 2021/22 zum „Jahr der Musik“ auszurufen.

Im Einzelnen heißt es im Schreiben an die Ministerinnen:
Auch im Jahr 2021 stellt die Corona-Pandemie das gesamte Musikleben vor nie da gewesene Herausforderungen. In den Schulen, Kirchen und Musikschulen konnte bis Dezember 2020 nur unter Einschränkungen gesungen und musiziert werden, die Ensemblearbeit der Amateurmusikvereine war schon davor nicht mehr möglich. In den vergangenen Wochen wurden die Auflagen entsprechend dem Infektionsgeschehen verschärft und die Möglichkeiten zu singen und zu musizieren weiter begrenzt.

Das gemeinsame Singen und Musizieren wie auch das Auftreten in Konzerten und anderen Veranstaltungen wird schmerzlich vermisst. Es fehlt das, was für viele Menschen einen Großteil ihrer Lebensqualität ausmacht: Aktiv gemeinschaftlich tätig zu sein.

Im Profi-Bereich stehen Veranstalter und nachfolgend auch viele Künstlerinnen und Künstler vor dem finanziellen Ruin. Zudem beginnt sich für alle Soloselbständigen jene Infrastruktur zunehmend aufzulösen, die ihr vormaliges Betätigungsfeld ausmachte.

Angesichts der hohen Infektionszahlen war der zweite „Lockdown“ sicherlich unumgänglich. Dennoch hat er die ohnehin schon großen Probleme des Musiklebens noch einmal verschärft und droht, es dauerhaft zu beschädigen. Durch die Möglichkeit, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen, besteht jedoch die Hoffnung, im Laufe des Jahres die Pandemie zurückzudrängen und die Einschränkungen zu überwinden. Vor diesem Hintergrund ist es unumgänglich, bereits jetzt Perspektiven und Konzepte für die Zeit danach zu entwickeln.

Daher schlagen der Landesmusikrat Baden-Württemberg, der Landesmusikverband Baden-Württemberg, der Landesverband der Musikschulen Baden-Württembergs sowie der baden-württembergische Landesverband des Bundesverbands Musikunterricht (BMU) vor, das kommende Schuljahr bzw. die kommende Spielzeit 2021/22 zum
Jahr der Musik auszurufen. Zentraler Gedanke ist, in einer gemeinsamen Anstrengung von Land, Kommunen und Verbänden, das Kulturleben im Amateur- und im professionellen Bereich ideell und – wo dies möglich ist – auch finanziell zu unterstützen. Stellvertretend seien genannt:

  • Ermutigung der Lehrkräfte an den Schulen, Ensembles wieder aufleben zu lassen und Ermutigung der Schulleitungen, dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen;
  • Ermutigung, bereits bestehende Kooperationen zwischen Schulen, Vereinen, Musikschulen, Kirchen, Profi-Ensembles, Amateurtheater, Kleinkunst etc. weiter offensiv zu betreiben, sowie Förderung neuer Kooperationsideen;
  • Förderung von Begegnungsveranstaltungen, v.a. außerhalb der Ballungszentren;
  • Hilfen für Vereine und professionelle Künstlerinnen und Künstler, günstige Probenräume zu finden, ggf. Verzicht auf Miete bei der Nutzung öffentlicher Räume;
  • weitere Entbürokratisierung bei Hilfsmaßnahmen für Künstlerinnen und Künstler;
  • ggf. ein zentrales Internetportal seitens des Landes, das über alle derart geförderten Veranstaltungen informiert;

 

Wichtig ist jetzt, gemeinsame Initiativen für das Musikland Baden-Württemberg starten.

  • Anfang Oktober 2021 ist in Weingarten der diesjährige Landeskongress der Musikpädagogik geplant. Schule ist der einzige Ort, an dem alle jungen Menschen zusammentreffen. Es würde sich daher anbieten, diesen Kongress als „Initialzündung“ für das Jahr der Musik zu verstehen und Veranstaltungen mit den Musikschulen sowie Künstlerinnen und Künstlern der Amateur- und Profi-Szene aus der Region damit zu verbinden. Schließlich steht dieses Vorhaben ganz in der Tradition der seit 1991 durchgeführten Landeskongresse, in denen das schulische Musikleben immer auch im Kontext des gesamten Musiklebens in Baden-Württemberg fokussiert wurde.
  • Ebenso bieten das Landes-Musik-Festival 2022 der Amateurmusik in Göppingen und
  • der Landesmusikschultag des Landesverbandes der Musikschulen die Möglichkeit, in besonderer Weise die Qualität und die Vielfalt des Musiklandes Baden-Württemberg einer breiteren Öffentlichkeit einmal mehr sichtbar zu machen.

Gez. Prof. Dr. Hermann Wilske, Präsident des Landesmusikrats Baden-Württemberg

Gez. Friedrich-Koh Dolge, Vorsitzender des Landesverbands der Musikschulen Baden-Württembergs

Gez. Christoph Palm, Präsident des Landesmusikverbands Baden-Württemberg

Gez. Tilman Heiland, Präsident des BMU Baden-Württemberg.